Rezension: OpenStack Essentials von Dan Radez

OpenStack ist derzeit in aller Munde, und angesichts der gewaltigen Kapitalisierung hinter dem Projekt, wird sich das auch auf absehbare Zeit nicht ändern. Anlass genug, sich das mal genauer anzusehen. Als großer Freund kohärenter Texte habe ich mich daher durch das Buch OpenStack Essentials von Dan Radez gekämpft. Erschienen ist das Buch im Mai 2015, verwendet wurde die EPUB-Version.

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Neben Begeisterung standen mir noch drei ungenutzte Server zur Verfügung, die für das Setup benötigt werden. Dieses beginnt im Kapitel zwei, direkt nach der Beschreibung der verschiedenen OpenStack-Komponenten und ihren Aufgaben. Leider gibt es kein umfassendes, erklärendes Diagramm dazu, so dass man hier ggf. auf andere Quellen zurückgreifen muss. Für das Vorgehen wird ein RHEL oder CentOS auf den Servern vorausgesetzt. Die Installation von OpenStack findet dann mittels Packstack statt. Hier gibt es leider schon den ersten Stolperstein: Es wird nicht gesagt, dass man auf jeden Knoten passwortlosen Zugriff auf root via SSH braucht. Packstack ist am Ende des Tages ein Skript, das Puppet-Files auf die Hosts kopiert und dort ausführt. Ohne SSH wird das natürlich nicht klappen. Nun gut, geschenkt. Die Installation lief dann auch durch und man hat die Grundlage, um die nächsten Kapitel anzugehen.

In den folgenden Kapitel drei bis zehn werden die einzelnen Komponenten dann genauer unter die Lupe genommen. Nach einigen einführenden Worten zeigt dann jedes Kapitel, wie man mit dem passenden CLI-Tool mit der API spricht. Anschließend wird dann der Weg nochmals mit dem Webinterface Horizon vollzogen. Die Beispiele führen auch alle zum erwarteten Ergebnis. Nur die Ausgabe stimmt nicht immer überein, was Einsteiger vielleicht verwirrt.

Besonders gespannt war ich auf das Kapitel 5 „Network Management“. Die Netzwerkkomponente gilt gemeinhin als schwierige Komponente im OpenStack-Konzert. PackStack installiert OpenvSwitch und konfiguriert dies vor. Zur Verbindung zwischen dem Compute- und dem Network-Knoten kommt dabei VXLAN. Beim anlegen der externen Netze für den Tenant stellt man allerdings fest, das dies nicht geht. Man strandet mit einem nichtssagenden Fehler und beginnt erstmal mit dem Debugging. Letztendlich lag es an einem Wert in der Datei /etc/neutron/l3_agent.ini, der nur ein externes Netzwerk erlaubt. Aktuell legt Packstack mindestens ein externes Netz an, während das Buch davon ausgeht, das man ohne externe Netze startet. Das war dann schon ein wenig frustrierend. Ein bisschen eigene Schusseligkeit war dann dabei, als schlussendlich die VM mit einer IP versorgt war, aber keine Zugriffe via ICMP oder SSH möglich waren. Schuld war die nicht richtig gesetzte Security Group…

Das achte Kapitel über Swift, der Komponente für Object Storage, wartet im Verlauf mit einer verwirrenden Anleitung für das anlegen der sogenannten Ring Files auf. Ab hier habe ich dann größtenteils auch nur noch gelesen und die Beispiele nicht mehr durchgespielt. Ob ein Buch, das sich explizit an Einsteiger richtet, auch noch Hinweise zur Skalierung (Kapitel 11) und das Monitoring der Komponenten (Kapitel 12) mitbringen muss, sei dahingestellt. Das sind dann Fragen für den praktischen Betrieb, für den man andere Quellen heranzieht.

Fazit

Im großen und ganzen bekommt man mit OpenStack Essentials einen brauchbaren Einblick. Es gibt immer mal wieder Abweichungen in der Ausgabe von Befehlen zwischen Buch und eigener Shell, die für Erfahrene aber kein Hindernis sind. Ärgerlich ist nur, dass viele Tools mittlerweile als veraltet (Deprecated) gelten und bei jedem Aufruf lautstark darauf hinweisen. Leider gibt es keinen Schalter, um dies zu unterdrücken. Hintergrund ist die Entscheidung von OpenStack, dass er nur noch openstack als einziges CLI-Tool geben soll, das dann mit entsprechenden Argumenten aufgerufen wird.

Dies ist natürlich nicht dem Autor anzukreiden, angesichts der dynamischen Entwicklung wäre es aber schon schön, wenn wenigstens eine zeitlang durch Errata die Aktualität erhalten wird. Auch den Ärger im Netzwerkkapitel könnte man auffangen, wenn man dies mit einer aktuellen Version von Packstack durchgespielt hätte. So kann man leider nur noch eine eingeschränkte Empfehlung für dieses Buch geben, und sollte sich nach etwas neuerem umsehen.

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